Digitale Spiele gehören längst zum Alltag vieler Familien. Millionen Kinder und Jugendliche verbringen regelmäßig Zeit an Konsole, PC oder Smartphone. Eine Untersuchung der DAK Gesundheit und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf zeigt, dass 10- bis 17-Jährige durchschnittlich 105 Minuten an Wochentagen und 171 Minuten am Wochenende spielen. Eltern fragen sich deshalb zunehmend, welche Chancen und Risiken damit verbunden sind.
Inhaltsverzeichnis:
- Daniel Heinz über Altersgrenzen
- Zeitliche Richtwerte für das Spielen
- Motivation und mögliche Gefahren
- Positive Effekte von Gaming
- Inhalte und Interaktionen im Blick behalten
Daniel Heinz über Altersgrenzen
Der Sozial- und Medienspielpädagoge Daniel Heinz vom Spieleratgeber-NRW betont, dass das passende Alter stark vom Spiel und der Begleitung abhängt. Hektische Spiele mit schnellen Bildern sind nicht für Kinder unter fünf oder sechs Jahren geeignet. Einige Genres wie Ego-Shooter sollten Kindern grundsätzlich nicht zugänglich gemacht werden. Es gibt aber auch Spiele, die bereits mit drei oder vier Jahren in kurzen Intervallen gespielt werden können. Dabei sei wichtig, dass diese Programme pausierbar und altersgerecht gestaltet sind. Kleine Kinder dürfen zudem nicht alleine vor dem Bildschirm sitzen.
Eltern sollten also vor allem begleiten. Dazu gehört:
- Auswahl passender Spiele
- Gemeinsames Spielen im Vorschulalter
- Klare Regeln für Pausen
Zeitliche Richtwerte für das Spielen
Wie viel Spielzeit erlaubt ist, hängt laut Heinz vom Alter ab. Für Kinder bis fünf Jahre sind etwa 30 Minuten pro Tag ein Richtwert, für Sechs- bis Neunjährige bis zu 60 Minuten. Ab dem Jugendalter empfiehlt sich, ein wöchentliches Kontingent zu vereinbaren. Dieses Modell ähnelt dem Taschengeldsystem. Kinder lernen so, mit Zeit bewusst umzugehen.
Ein Überblick nach Altersstufen:
- Bis 5 Jahre – maximal 30 Minuten täglich
- 6 bis 9 Jahre – bis zu 60 Minuten täglich
- Ab 10 Jahren – wöchentliche Vereinbarungen sinnvoll
Diese Grenzen sind jedoch flexibel und sollten an das Kind angepasst werden.
Motivation und mögliche Gefahren
Heinz rät Eltern, nicht nur die Zeit, sondern auch die Gründe für das Spielen zu hinterfragen. Wird Gaming genutzt, um Defizite auszugleichen oder Probleme zu verdrängen, kann dies problematisch werden. Eine Computerspielstörung liegt erst vor, wenn über mindestens 12 Monate Kontrollverlust, Interessenverlust und Vernachlässigung von Hobbys oder Familie auftreten. In solchen Fällen sollten Eltern professionelle Beratung suchen.
Neben Suchtgefahren weist die Weltgesundheitsorganisation darauf hin, dass intensives oder problematisches Onlineverhalten mit psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen verbunden sein kann.
Risiken im Überblick:
- Spielsucht bei dauerhaftem Kontrollverlust
- Psychische Belastung durch sensible Inhalte
- Mobbing oder unangenehme Kontakte in Communitys
- Kostenfallen durch zusätzliche Inhalte
Positive Effekte von Gaming
Videospiele können die Entwicklung fördern, wenn sie gezielt eingesetzt werden. In vielen Spielen lernen Kinder, in Teams Verantwortung zu übernehmen und Strategien zu entwickeln. Kommunikationsfähigkeiten werden durch Chat- oder Sprachfunktionen gestärkt.
Darüber hinaus enthalten manche Spiele historische oder geografische Themen. Sie regen Kinder an, sich mit Geschichte oder anderen Wissensgebieten auseinanderzusetzen. Auch Lernspiele können wertvolle Impulse geben.
Inhalte und Interaktionen im Blick behalten
Beim Kauf neuer Spiele sollten Eltern auf Alterskennzeichnungen achten. Ebenso wichtig sind Jugendschutzeinstellungen an Konsolen oder Computern. Sie erhöhen die Sicherheit und reduzieren Risiken. Daniel Heinz empfiehlt Eltern eine Haltung der „gelassenen Skepsis“. Eltern sollten hinschauen, begleiten und Regeln aufstellen, aber Kinder nicht völlig von digitalen Spielen fernhalten.
Digitale Teilhabe gehört heute selbstverständlich zur Kindheit. Entscheidend bleibt, dass Eltern den Rahmen setzen und Kinder Schritt für Schritt verantwortungsvoll mit der digitalen Welt umgehen lernen.
Quelle: Tagesspiegel