Geringe Nutzung der ePA im Praxisalltag
Geringe Nutzung der ePA im Praxisalltag, Foto: Pixabay / Lizenz: Pixabay

Seit Mitte Januar 2025 stellen die Krankenkassen die elektronische Patientenakte für gesetzlich Versicherte bereit, sofern sie nicht widersprochen haben. Der Datenspeicher soll Befunde, Bilder und Verordnungen bündeln. Trotzdem bleibt die Nutzung bisher niedrig. Zentral sind Hürden beim Zugang, Probleme im Praxisalltag und offene Fragen zu Datenschutz und Zuständigkeiten.

Inhaltsverzeichnis

Markus Beier und der Registrierungsprozess

Markus Beier, Bundesvorsitzender des Hausärzteverbandes, berichtet, dass „Die allerwenigsten Patientinnen und Patienten haben sich ihre ePA einmal angeschaut. Das liegt vor allem an dem absurd komplizierten Registrierungsprozess, der selbst digital affine Menschen irgendwann frustriert aufgeben lässt“. Er sagt zudem, viele wüssten gar nicht, dass sie eine ePA besitzen. Nach einer Einschätzung des Bundesgesundheitsministeriums nutzen die ePA bisher nur 4 Millionen der 74 Millionen gesetzlich Versicherten. Gesundheitsministerin Nina Warken CDU strebt an, dass es bis 2030 rund 20 Millionen sein werden, und plant eine Digitalisierungsstrategie fürs Gesundheitswesen, zu der auch niedrigere Hürden beim Einloggen gehören. Parallel laufen politische Debatten zur Finanzierung der Kassen, mehr dazu hier.

Medi Umfrage mit 263 Ärzten

Der Ärzteverband Medi, der 10.000 Mediziner vertritt, nennt Ergebnisse einer bundesweiten Umfrage unter 263 niedergelassenen Ärzten. 65 Prozent bewerten die ePA beim Datenschutz als unsicher, 72 Prozent halten die Einhaltung der ärztlichen Schweigepflicht durch die ePA für kritisch. Norbert Smetak, Medi-Chef aus Baden-Württemberg, erläutert, dass am Ende nicht mehr nachvollziehbar sei, wer Daten weitergegeben hat, wenn es zu einer Verletzung der Schweigepflicht komme. Er nennt als Beispiel, dass auch Mitarbeitende aus Apotheken Einblicke in die ePA erhalten. Smetak sagt, er habe in seiner Praxis „sehr wenig Nachfragen“ zur ePA, zugleich seien Patienten bei Gesprächen über Datentransparenz „überrascht und werden unsicher“. Hinweise auf strukturelle Probleme im Versorgungssystem finden sich auch bei Herausforderungen für Berlins Gesundheitswesen.

  • 36 Prozent der Befragten gaben an, pro Patient 5 Minuten in die ePA-Nutzung zu stecken
  • Das betrifft laut Medi die knappe Versorgungszeit im laufenden Betrieb
  • Bernhard Schuknecht, Orthopäde und Medi-Funktionär, sagt „Es kann nicht sein, dass wir im vollen Praxisbetrieb mit einem völlig unausgereiften System arbeiten müssen.“

Gematik und teils fehlende Befundübermittlung

Bei der praktischen Arbeit in den Praxen beschreibt Beier weitere Schwierigkeiten. Er sagt, in der aktuellen Form sei die ePA nur eingeschränkt praxistauglich und derzeit „eine unsortierte PDF-Sammlung, mit der Praxen im Alltag nur wenig anfangen können“. Genannt werden fehlende Volltextsuche sowie massive Störungen und Ausfälle in der Telematikinfrastruktur, dem Netzwerk, auf dem die ePA läuft. Nach Zahlen der Gematik, der Nationalen Agentur für Digitale Medizin, sind 120.000 Leistungserbringer derzeit in Kontakt mit der ePA, bei vollständiger Beteiligung wären es 160.000. Zudem werden wichtige Befunde aus einigen Krankenhäusern teils nicht in die ePA eingespeist und stattdessen noch per Fax an Arztpraxen übermittelt. Hintergründe zur Digitalisierung im Gesundheitsbereich gibt es mehr erfahren.

Kennzahl Wert
Gesetzlich Versicherte 74.000.000
ePA-Nutzer laut Einschätzung 4.000.000
Leistungserbringer in Kontakt mit ePA 120.000
Leistungserbringer bei Vollbeteiligung 160.000

Henriette Neumeyer und Kliniken seit September 2025

Bei den Verpflichtungen gab es unterschiedliche Zeitpläne. Niedergelassene Ärzte wurden zum 1. Oktober 2025 unter Androhung von Honorarkürzungen verpflichtet, bei der ePA mitzumachen. Im September 2025 hätten laut Henriette Neumeyer, Vizevorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, nur 63 Prozent der Kliniken „die ePA mindestens einmal genutzt“, sie gehe davon aus, dass die Quote seither gestiegen sei. Neumeyer begründet das Hinterherhinken mit verzögert bereitgestellten Modulen der Software-Industrie und mit knappen IT-Ressourcen in Kliniken, die durch Digitalisierungsprojekte aus dem Krankenhauszukunftsgesetz gebunden waren. Ab 1. April drohen Krankenhäusern Kürzungen der Telematikinfrastruktur-Pauschale, falls die ePA technisch nicht verfügbar ist.

  1. Mitte Januar 2025 Einführung der ePA durch Krankenkassen für gesetzlich Versicherte ohne Widerspruch, Widerspruchsquote 5 Prozent
  2. September 2025 Quote der Kliniken, die die ePA mindestens einmal genutzt haben, 63 Prozent
  3. 1. Oktober 2025 Verpflichtung für niedergelassene Ärzte mit möglicher Honorarkürzung
  4. 1. April Kürzungen der Telematikinfrastruktur-Pauschale für Kliniken bei fehlender technischer Verfügbarkeit

Zum Nutzen verweisen Kassenärztliche Bundesvereinigung und GKV-Spitzenverband auf die automatische Befüllung durch das E-Rezept. Jede Verordnung werde automatisch in die ePA eingespeist, die Medikationslisten würden stark genutzt. Ein Sprecher des GKV nennt als Punkt, dass Versicherte dafür aktiv nichts tun müssen. Weiterführende Informationen zur Digitalisierung im Gesundheitswesen bietet das Bundesgesundheitsministerium.

FAQ

Wie viele gesetzlich Versicherte nutzen derzeit die elektronische Patientenakte?

Nach einer Einschätzung des Bundesgesundheitsministeriums nutzen bisher 4 Millionen von 74 Millionen gesetzlich Versicherten die ePA.

Seit wann ist die elektronische Patientenakte flächendeckend eingeführt?

Die ePA wurde Mitte Januar 2025 von den Krankenkassen für alle gesetzlich Versicherten eingeführt, die nicht widersprochen haben. Die Widerspruchsquote lag bei 5 Prozent.

Welche Hauptkritik äußert Markus Beier zur ePA?

Markus Beier kritisiert vor allem den komplizierten Registrierungsprozess, der selbst digital affine Menschen frustriert aufgeben lässt.

Welche Datenschutzbedenken nennt der Ärzteverband Medi?

65 Prozent der befragten Ärzte bewerten die ePA beim Datenschutz als unsicher, 72 Prozent halten die Einhaltung der ärztlichen Schweigepflicht durch die ePA für kritisch.

Wie viele Leistungserbringer sind laut Gematik aktuell an die ePA angebunden?

Derzeit sind 120.000 Leistungserbringer in Kontakt mit der ePA. Bei vollständiger Beteiligung wären es 160.000.

Welche Fristen und Sanktionen gelten für Ärzte und Krankenhäuser?

Niedergelassene Ärzte sind seit dem 1. Oktober 2025 unter Androhung von Honorarkürzungen zur Nutzung der ePA verpflichtet. Krankenhäusern drohen ab dem 1. April Kürzungen der Telematikinfrastruktur-Pauschale, falls die ePA technisch nicht verfügbar ist.

Quelle: Berliner Morgenpost, Patizonet