Immer mehr Menschen ohne Diabetes nutzen Sensoren zur Blutzuckermessung – in der Hoffnung auf bessere Haut, weniger Heißhunger oder Gewichtsverlust. Doch was bringt das wirklich?
Inhaltsverzeichnis:
- Brigitte Bäuerlein erklärt Glukose im Alltag
- Bernhard Kulzer über Nutzen für gesunde Menschen
- Messen als Motivation oder Gefahr?
- Ernährungstipps gegen Heißhunger
Brigitte Bäuerlein erklärt Glukose im Alltag
Glukose ist der zentrale Energieträger des Körpers. Sobald Zucker – in welcher Form auch immer – aufgenommen wird, entsteht daraus Glukose. Diese wird über den Dünndarm und die Leber ins Blut transportiert, was den Blutzuckerspiegel steigen lässt. Nach dem Essen ist dieser Anstieg normal und versorgt die Zellen mit notwendiger Energie.
Der Körper reagiert auf mehr als nur Mahlzeiten. Auch Stresssituationen, etwa bei der Parkplatzsuche in der Kölner Innenstadt, lassen den Blutzuckerspiegel ansteigen. Brigitte Bäuerlein, Diplom-Ökotrophologin aus Gevelsberg, erklärt: Körperlicher oder psychischer Stress aktiviert ebenfalls den Energiebedarf.
Glukosespitzen entstehen vor allem durch kurzkettige Kohlenhydrate. Weißmehlprodukte, Süßigkeiten oder Fruchtsäfte führen schnell zu einem starken Anstieg des Zuckers im Blut. Dies kann Heißhungerattacken auslösen und Essverhalten negativ beeinflussen.
Bernhard Kulzer über Nutzen für gesunde Menschen
Für gesunde Menschen ist die regelmäßige Blutzuckermessung laut Bernhard Kulzer nicht notwendig. Der Leiter des Forschungsinstituts Diabetes in Bad Mergentheim betont, dass ein gesunder Körper den Blutzuckerspiegel selbstständig reguliert. Insulin senkt den Spiegel, Glukagon hebt ihn bei Bedarf.
Nur in Ausnahmen – etwa bei Ausdauersportlern – kann eine Messung sinnvoll sein. Leistungssportler profitieren von der Überwachung, da sie Glukosemangel rechtzeitig erkennen und gegensteuern können. So lassen sich Leistungseinbrüche, auch „Hungerast“ genannt, vermeiden.
Auch Personen mit familiärer Diabetesbelastung könnten vom temporären Messen profitieren. Eine kurze Überwachungsphase hilft dabei, die eigene Reaktion auf bestimmte Nahrungsmittel zu verstehen.
Messen als Motivation oder Gefahr?
Ein Vorteil der Messung: direktes Feedback. Wer isst oder sich bewegt, kann sofort Veränderungen in den Glukosewerten beobachten. Dies kann motivieren, vor allem wenn das Ziel eine Ernährungsumstellung oder Gewichtsabnahme ist.
Doch ohne Schulung ist die Interpretation der Daten schwierig. Kulzer betont: Die Werte allein sagen nichts aus, solange man keine Schlüsse daraus zieht. Deshalb rät er von einer dauerhaften Nutzung bei Gesunden ab. Sensoren seien teuer und liefern ohne Fachwissen wenig Mehrwert.
Bäuerlein warnt zudem vor einer potenziellen Zwangshandlung. Die ständige Kontrolle und Beschäftigung mit dem Thema Ernährung könne schnell ungesund werden und psychischen Druck erzeugen.
Ernährungstipps gegen Heißhunger
Wer seinen Blutzuckerspiegel stabil halten will, sollte auf folgende Punkte achten:
- Viel Gemüse und Obst – ballaststoffreich und nährstoffhaltig.
- Hochwertige Öle und Proteine – sorgen für anhaltende Sättigung.
- Weniger kurzkettige Kohlenhydrate – wie Weißbrot oder Fruchtsäfte.
- Zuckerquellen im Alltag reduzieren – z. B. keinen Zucker im Kaffee.
- Isolierten Zucker vermeiden – keine Softdrinks oder gesüßte Smoothies.
Ein einfacher Trick laut Bäuerlein: die Reihenfolge der Mahlzeiten. Zuerst Salat oder Gemüse essen, dann die Kohlenhydrate. So wird der Zucker langsamer ins Blut aufgenommen.
Das Fazit der Experten ist klar: Nur wer den eigenen Körper besser verstehen will oder konkrete gesundheitliche Risiken trägt, kann temporär vom Messen profitieren. Dauerhafte Anwendung ohne medizinische Indikation ist weder notwendig noch empfohlen.
Quelle: Tagesspiegel