Typisch, chronische Entzündung
Typisch, chronische Entzündung, Foto: pixabay

Eine Autoimmunerkrankung entsteht, wenn das Immunsystem nicht mehr zwischen körpereigenen und fremden Zellen unterscheiden kann und sich fälschlicherweise gegen das eigene Gewebe richtet. Dabei bilden Betroffene sogenannte Autoantikörper und Immunzellen greifen gesunde Organe oder Gewebe an. Autoimmunerkrankungen führen zu chronischen Entzündungen und können prinzipiell jedes Organ befallen. Es gibt inzwischen über 60 verschiedene Autoimmunerkrankungen. In Europa schätzt man, dass etwa eine von zwanzig Personen betroffen ist (rund 5 % der Bevölkerung). Die meisten Erkrankungen verlaufen chronisch und begleiten Betroffene oft lebenslang – mit einer frühzeitigen Diagnose und Behandlung können Symptome jedoch gelindert und Folgeerkrankungen vermieden werden.

Häufige Autoimmunerkrankungen

Zu den bekanntesten Autoimmunerkrankungen zählen unter anderem:

  • Hashimoto-Thyreoiditis – Zerstörung der Schilddrüse, führt häufig zu einer Unterfunktion.

  • Morbus Basedow – Autoimmunerkrankung der Schilddrüse mit Schilddrüsenüberfunktion.

  • Rheumatoide Arthritis – chronisch-entzündliche Gelenkerkrankung, meist mit Gelenkschwellungen und Schmerzen.

  • Multiple Sklerose – Autoimmunbedingte Entzündung des zentralen Nervensystems (Gehirn und Rückenmark).

  • Morbus Crohn und Colitis ulcerosa – chronisch-entzündliche Darmerkrankungen.

  • Typ-1-Diabetes mellitus – Zerstörung der insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse.

  • Psoriasis (Schuppenflechte) – chronisch-entzündliche Hauterkrankung mit schuppenden, geröteten Hautarealen.

  • Systemischer Lupus erythematodes (SLE) – kann Haut, Gelenke, Nieren, Herz und andere Organe betreffen.

Diese und weitere Erkrankungen zeigen sich jeweils mit typischen Beschwerden im betroffenen Organ, werden aber alle durch einen fehlgeleiteten Abwehrmechanismus des Körpers verursacht. Die Verbreitung in Deutschland nimmt derzeit zu. Studien ergaben, dass 2022 etwa 6,3 Millionen Versicherte mindestens einmal eine Autoimmunerkrankung diagnostiziert bekamen – das entspricht rund 8,6 % der gesetzlich Versicherten, also etwa jeder zwölfte Mensch. Die drei häufigsten Diagnosen sind dabei Hashimoto-Thyreoiditis (2,3 %), Psoriasis (Schuppenflechte, 1,8 %) und rheumatoide Arthritis (1,4 %). Die Tabelle zeigt die Prävalenz einiger ausgewählter Autoimmunerkrankungen in Deutschland:

Autoimmunerkrankung Prävalenz (gesetzlich Versicherte)
Hashimoto-Thyreoiditis 2,3 %
Psoriasis (Schuppenflechte) 1,8 %
Rheumatoide Arthritis 1,4 %
Morbus Crohn 0,3 %
Multiple Sklerose 0,3 %

Zudem sind Frauen deutlich häufiger betroffen als Männer (Frauenanteil etwa 60–70 % bei vielen Erkrankungen). Dies führt man auf geschlechtsspezifische Unterschiede im Hormonhaushalt und der Immunregulation zurück. Generell gelten Autoimmunerkrankungen als chronisch verlaufend und oft lebenslang, auch wenn der Verlauf bei jedem Betroffenen individuell unterschiedlich ist.

Symptome von Autoimmunerkrankungen

Die Symptome hängen stark davon ab, welches Organ oder Organsystem betroffen ist. Es gibt keinen einheitlichen Krankheitserreger oder ein einzelnes Merkmal. Stattdessen treten oft organbezogene Beschwerden auf, zum Beispiel Hautausschlag bei Lupus oder Gelenkschmerzen bei rheumatoider Arthritis. Gemeinsam ist jedoch meist eine chronische Entzündungsreaktion. Typische Symptome sind daher Hitzegefühl, Schmerz, Rötung und Schwellung im betroffenen Bereich. Dazu kommen häufig unspezifische Allgemeinsymptome wie Müdigkeit, Leistungsschwäche und Appetitverlust. Autoimmunerkrankungen verlaufen oft schubweise: Phasen mit starken Symptomen wechseln sich mit Ruhephasen ab. Dadurch können sich Krankheitszeichen über die Zeit verändern und von Person zu Person sehr verschieden sein. Eine genaue Diagnose ist daher oft schwierig; man kommt oft erst auf die Autoimmunursache, wenn andere mögliche Gründe für die Beschwerden ausgeschlossen sind.

Die wichtigsten Symptome im Überblick sind z.B.:

  • Chronische Entzündung der betroffenen Organe (z.B. Gelenkentzündung, Hautentzündung, Darmentzündung).

  • Schmerz, Rötung und Schwellung im erkrankten Gewebe.

  • Allgemeine Beschwerden wie Müdigkeit und Energiemangel.

  • Organ- oder organspezifische Zeichen, z.B. Sehstörungen bei MS, Verdauungsprobleme bei Morbus Crohn, Kälteempfindlichkeit bei Schilddrüsenerkrankungen.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen sind bei den meisten Autoimmunerkrankungen noch nicht vollständig geklärt. Wissenschaftler gehen jedoch von einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren aus. Als Risikofaktoren gelten unter anderem:

  • Genetische Veranlagung – Bestimmte Gene erhöhen das Risiko, eine Autoimmunerkrankung zu entwickeln. Sie sind aber meist nicht allein entscheidend.

  • Infektionen – Virale oder bakterielle Infekte (z.B. durch Virusinfektionen wie Epstein-Barr-Virus oder andere Erreger) können bei anfälligen Personen eine Autoimmunreaktion triggern.

  • Lebensstil und Umwelt – Faktoren wie Rauchen, Übergewicht, eine sehr fettreiche oder zuckerhaltige Ernährung sowie Umweltgifte (z.B. Luftschadstoffe, Chemikalien) können das Immunsystem schwächen und Entzündungen fördern. Auch eine gestörte Darmflora („Leaky Gut“) wird diskutiert.

  • Hormonelle Faktoren – Hormonelle Schwankungen (z.B. durch Schwangerschaft) beeinflussen die Immunantwort und könnten bei Frauen das höhere Erkrankungsrisiko erklären.

  • Stress – Chronischer psychischer oder körperlicher Stress kann Schübe auslösen. Viele Betroffene bemerken, dass Krankheitssymptome unter hoher Belastung verstärkt auftreten.

Zusammenfassend ist bei Autoimmunerkrankungen meist ein komplexes Zusammenspiel aus Vererbung und Umweltfaktoren verantwortlich. Generell gilt: Frauen sind häufiger betroffen als Männer (etwa 60 % der Betroffenen), und manche Erkrankungen treten familiär gehäuft auf.

Prävention und Vorbeugung

Eine sichere Vorbeugung gegen Autoimmunerkrankungen ist derzeit nicht möglich, da die Ursachen noch zu wenig bekannt sind. Es gibt kein Patentrezept, um die Erkrankungen komplett auszuschließen. Dennoch lassen sich durch einen gesunden Lebensstil und Aufmerksamkeit dem Risiko entgegenwirken und der Körper stärken. Wichtige Empfehlungen sind unter anderem:

  • Frühzeitige Abklärung: Beschwerden und Unverträglichkeiten zeitnah ärztlich untersuchen lassen (z.B. bei ungewöhnlichen Erschöpfungssymptomen, Gelenkproblemen oder Verdauungsstörungen). Eine frühere Diagnose erlaubt eine bessere Behandlung und kann Folgeschäden vermindern.

  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene, antientzündliche Ernährung unterstützt das Immunsystem. Empfehlenswert sind viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukte sowie Omega-3-reiche Lebensmittel (Fisch, Nüsse) und ballaststoffreiche Kost zur Förderung einer gesunden Darmflora. Vermeiden sollte man im Übermaß verarbeitete Lebensmittel, Zucker und übermäßiges Fett.

  • Schadstoffvermeidung: Auf Rauchen verzichten und unnötige Chemikalienbelastung minimieren. Tabakkonsum und Umweltgifte belasten das Immunsystem und erhöhen das Entzündungsniveau im Körper.

  • Stressabbau und Erholung: Regelmäßiger Ausgleich (z.B. durch Sport, Meditation, Hobbys) sowie genügend Schlaf sind wichtig. Chronischer Stress belastet das Immunsystem und kann Autoimmunreaktionen begünstigen.

  • Regelmäßige Bewegung: Moderate körperliche Aktivität stärkt die Abwehrkräfte und wirkt entzündungshemmend. Schon Spaziergänge an der frischen Luft helfen, das Immunsystem ins Gleichgewicht zu bringen. Ein aktiver, naturbezogener Lebensstil kann positive Effekte haben.

  • Ausgewogenes Körpergewicht: Übergewicht wird mit chronischen Entzündungen in Verbindung gebracht. Ein normales Körpergewicht und gesunde Fettsäuren (z.B. aus Fisch und pflanzlichen Ölen) können das Erkrankungsrisiko senken.

Wichtig ist: Vorbeugung im klassischen Sinn gibt es bei Autoimmunerkrankungen nicht, weil der genaue Auslöser oft unbekannt ist. Die genannten Maßnahmen stärken jedoch den Körper und können dazu beitragen, Risikofaktoren zu minimieren. So kann eine gesunde Lebensweise helfen, das Immunsystem zu regulieren und Entzündungen zu reduzieren, auch wenn sie nicht garantieren, dass keine Autoimmunerkrankung entsteht.

Autoimmunerkrankungen sind eine komplexe Gruppe chronisch-entzündlicher Erkrankungen, die durch einen „Irrtum“ des Immunsystems entstehen. Viele Autoimmunerkrankungen verlaufen lebenslang und können derzeit nicht geheilt, aber mit modernen Therapien häufig gut kontrolliert werden. Frühzeitige Diagnose und konsequente Behandlung sind entscheidend, um Beschwerden zu lindern und Komplikationen zu vermeiden. Ein gesunder Lebensstil – ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, ausreichender Schlaf und Verzicht auf bekannte Risikofaktoren wie Rauchen – bildet dabei die beste Grundlage, um das Immunsystem zu unterstützen. Insgesamt bleibt festzuhalten, dass Forscher weltweit weiterhin an neuen Therapien und einem besseren Verständnis der Ursachen arbeiten. Für Betroffene und Angehörige heißt es, aufmerksam zu bleiben, Symptome ernst zu nehmen und im Dialog mit Ärztinnen und Ärzten individuell passende Maßnahmen zu ergreifen.

QUELLE:

  • MSD-Gesundheit Schweiz – Autoimmunerkrankungen – Ursachen und Vorbeugung

  • AOK-Gesundheitsmagazin – Was ist eine Autoimmunerkrankung? 

  • Österreichisches Gesundheitsportal – Autoimmunerkrankungen: Basis-Info

  • DeutschesArztPortal – Steigende Prävalenz von Autoimmunerkrankungen in Deutschland