Der Berliner Senat meldet für 2024 einen deutlichen Höchststand bei meldepflichtigen Erkrankungen durch Zecken. Die Zahlen betreffen Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis. Die Entwicklung zeigt klare Abweichungen von den Vorjahren. Der aktuelle Anstieg reiht sich in eine Serie von steigenden Infektionen in Berlin ein. Mehrere Faktoren wirken zusammen.
Inhaltsverzeichnis:
Borreliose in Berlin
Bis zum 17. Dezember wurden 1.406 Borreliose-Fälle an das Landesamt für Gesundheit und Soziales übermittelt. Das ist der höchste Wert seit Einführung der Labormeldepflicht im Jahr 2013. Die Epidemiologin Julia Bitzegeio bestätigte den Rekord. In den Jahren zuvor lag die jährliche Zahl meist zwischen 700 und 800. 2023 wurde erstmals die Marke von 1.000 überschritten. Die Infektionen sind kein ausschließliches Stadtphänomen. Betroffene könnten sich auch außerhalb Berlins angesteckt haben.
FSME-Zahlen 2024
Auch bei der Frühsommer-Meningoenzephalitis wurden 2024 so viele Fälle wie nie gemeldet. Neun Erkrankungen gingen beim Lageso ein. Zwischen 2020 und 2024 lag der Mittelwert bei 3. Die Abweichung ist deutlich. Vergleichbare Entwicklungen bei durch Zecken übertragenen Krankheiten werden bundesweit beobachtet, mehr hier.
Wetter und Klimawandel
Der starke Anstieg steht im Zusammenhang mit Umweltbedingungen. Der Sommer 2024 war sehr feucht. Berlin verzeichnete 185 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Feuchtigkeit begünstigt Zecken. Trockene Sommer wirken dagegen hemmend. Zudem sind die Winter milder. Bereits ab 5 bis 8 Grad Celsius beginnen Zecken mit der Wirtssuche. Temperaturen bis minus 7 Grad überstehen sie mehrere Tage. Früher regulierten kalte Winter die Population. Heute überleben deutlich mehr Tiere bis zur nächsten Saison.
Wissenschaftliche Beobachtungen zeigen zusätzliche Effekte.
- Verkürzte Reproduktionszyklen. Ein Populationspeak tritt nun alle 2 statt alle 3 Jahre auf.
- Geografische Ausbreitung. FSME-infizierte Zecken werden inzwischen bis in Höhenlagen von 1.000 Metern nachgewiesen.
Übertragung und Risiken
Borreliose wird überwiegend durch Zecken übertragen. Nicht jede Zecke ist infiziert. Rund 20 Prozent der Tiere können Borrelien übertragen. Die meisten Fälle treten in den Monaten Juni, Juli und August auf. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist ausgeschlossen. Unbehandelte Borreliose kann schwere Spätfolgen verursachen, darunter Gedächtnisstörungen, Konzentrationsprobleme, chronische Müdigkeit und neurologische Ausfälle.
Zecken kommen in Wäldern, an Waldrändern, auf Grasstreifen, in Büschen sowie in Gärten, Parks und auf Wiesen vor. Schutzmaßnahmen sind einfach und zeitnah umzusetzen. Empfohlen werden lange Kleidung, Zeckenspray und das gründliche Absuchen des Körpers nach Aufenthalten im Grünen. Weitere gesundheitliche Hintergründe zu Infektionsrisiken finden sich hier. Wird eine Zecke entdeckt, sollte sie so schnell wie möglich entfernt werden.
Quelle: RBB24, MILEKCORP
FAQ
Wie viele Borreliose-Fälle wurden 2024 in Berlin gemeldet?
Bis zum 17. Dezember 2024 wurden in Berlin insgesamt 1.406 Borreliose-Fälle gemeldet. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Labormeldepflicht im Jahr 2013.
Warum ist die Zahl der Zeckeninfektionen 2024 stark gestiegen?
Der Anstieg hängt vor allem mit einem sehr feuchten Sommer und milderen Wintern zusammen. Diese Bedingungen begünstigen die Zeckenpopulation und verkürzen deren Reproduktionszyklen.
Wie viele FSME-Fälle wurden 2024 registriert?
Im Jahr 2024 wurden neun FSME-Fälle an das Landesamt für Gesundheit und Soziales übermittelt. Der Durchschnitt der Jahre 2020 bis 2024 lag bei drei Fällen.
Ab welchen Temperaturen sind Zecken aktiv?
Zecken beginnen bereits ab Temperaturen von 5 bis 8 Grad Celsius mit der Wirtssuche und können Temperaturen bis minus 7 Grad mehrere Tage überstehen.
Ist Borreliose von Mensch zu Mensch übertragbar?
Nein, eine Übertragung von Borreliose von Mensch zu Mensch ist nicht möglich. Die Infektion erfolgt hauptsächlich durch Zeckenstiche.
Sind alle Zecken Träger von Borrelien?
Nein, nur etwa 20 Prozent der Zecken in Deutschland können Borrelien übertragen. Nicht jede Zecke ist infiziert.
In welchen Monaten treten die meisten Borreliose-Fälle auf?
Die meisten Borreliose-Fälle werden in den Sommermonaten Juni, Juli und August registriert.
Welche Spätfolgen kann eine unbehandelte Borreliose haben?
Unbehandelte Borreliose kann zu Gedächtnisstörungen, Konzentrationsproblemen, chronischer Müdigkeit und neurologischen Ausfällen führen.
Wo kommen Zecken besonders häufig vor?
Zecken sind häufig in Wäldern, an Waldrändern, auf Grasstreifen, in buschigem Gelände sowie in Gärten, Parks und auf Wiesen zu finden.
Wie kann man sich vor Zecken schützen?
Empfohlen werden lange Kleidung, die Nutzung von Zeckenspray sowie das gründliche Absuchen des Körpers nach Aufenthalten im Grünen.