Pflegekraft nutzt KI-App zur schnellen Dokumentation
Pflegekraft nutzt KI-App zur schnellen Dokumentation, Foto: Pixabay/Pixabay-Lizenz

Seit Jahren kämpfen Pflegekräfte in Deutschland mit wachsender Bürokratie. In der Caritas-Altenpflege in Berlin-Waidmannslust ersetzt jetzt eine künstliche Intelligenz namens „Voize“ die Papierakten und den sperrigen Pflegewagen. Die Anwendung verändert den Alltag von Beschäftigten und Bewohnern spürbar.

Inhaltsverzeichnis:

Yvonne Luther und der alte Pflegewagen

Yvonne Luther arbeitet seit über 20 Jahren in der Altenpflege. Jeden Morgen schob sie den 1,20 Meter hohen Wagen durch die Flure. Darin: Messgeräte, Medikamente, Papierakten. Für 90 Bewohner füllte sie täglich Formulare aus – Gesundheitsdaten, Allergien, Trinkmengen, Medikamentenpläne. Rund 1,5 Stunden pro Tag entfielen allein auf Dokumentation. Zeit, die sie lieber für die Pflege der Menschen genutzt hätte.

Auch ihr Kollege Marcel Schmidberger erlebte die Belastung täglich. „Wenn ich im Büro arbeiten möchte, gehe ich woanders hin“, sagte er. Diese ständige Papierarbeit brachte die Pfleger an ihre Grenzen. Der Fachkräftemangel verschärfte das Problem zusätzlich.

Marcel und Fabio Schmidberger entwickeln „Voize“

Als Marcels Großvater 2019 in ein Pflegeheim kam, fiel den Zwillingen Marcel und Fabio Schmidberger auf, wie viel Zeit Pflegekräfte mit Computerarbeit verbringen. Beide sind Informatiker. Sie gründeten im Februar 2020 gemeinsam mit Erik Ziegler ein Start-up und entwickelten eine KI, die die Sprache der Pflege versteht.

„Voize“ ermöglicht es, Beobachtungen und Messwerte direkt ins Smartphone zu sprechen. Das System erkennt automatisch Bewohner, Zimmernummern und das passende Dokumentationsfeld. Wichtige Daten wie Blutdruck, Gewicht oder Trinkmenge werden so sofort gespeichert. Eine Studie der Charité zeigte, dass Pflegekräfte bis zu 30 % ihres Arbeitstags mit Dokumentation verbringen. Genau hier setzt die neue Technologie an.

Weitere Informationen zur Rolle digitaler Lösungen im Gesundheitswesen finden Sie unter künstliche Intelligenz in der Medizin.

Jana Maier und die Einführung in Berlin-Waidmannslust

In der Caritas-Einrichtung in Waidmannslust wurde „Voize“ schrittweise eingeführt. Pflegedienstleiterin Jana Maier erinnert sich an die intensive Anfangsphase. Wochenlang begleiteten die Gründer die Teams persönlich, passten Abläufe an und beheben technische Fehler. Für Maier war die App ein entscheidender Grund, die Leitung der Einrichtung zu übernehmen.

„Man hat im Prinzip die ganze Dokumentation bei sich, in diesem kleinen Handy“, erklärte sie. Besonders Mitarbeitende mit geringen Deutschkenntnissen profitieren. Sie dokumentieren schneller und präziser. Die KI lernt zudem mit jeder Nutzung.

Weitere Beiträge zu Veränderungen im Gesundheitssektor finden Sie unter Deutschland investiert Milliarden in Gesundheit.

Alltag ohne Papier und Pflegewagen

Heute nutzt Yvonne Luther ihr Smartphone bei jedem Rundgang. Die App führt sie sofort an die richtige Stelle in der digitalen Akte. Ein Foto des Bewohners, aktuelle Werte und Hinweise erscheinen auf dem Bildschirm. Nichts wird mehr durchgeblättert, kein Ordner geschleppt.

„Wenn ich rausgehe, hake ich ab, was ich getan habe – fertig“, beschreibt sie ihren neuen Arbeitsalltag. Die Caritas hat sich entschieden, alle Einrichtungen mit der KI auszustatten. Damit entfällt nicht nur Papierarbeit, sondern auch der sperrige Wagen, der früher jeden Flur blockierte.

Mehr über aktuelle Entwicklungen in der Berliner Pflege erfahren Sie hier.

Die Einführung von „Voize“ zeigt, wie gezielte Digitalisierung den Pflegealltag konkret entlasten kann. Weniger Zeit für Dokumentation bedeutet mehr Zeit für Menschen – ein Gewinn für alle Beteiligten.

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Quelle: RBB24, SN2 WORLD

FAQ

Was ist „Voize“?

„Voize“ ist eine künstliche Intelligenz, die speziell für den Pflegebereich entwickelt wurde. Pflegekräfte können ihre Beobachtungen und Messwerte direkt ins Smartphone sprechen, und die KI überträgt die Informationen automatisch in die richtige digitale Akte.

Wer hat „Voize“ entwickelt?

Das System wurde im Jahr 2020 von den Zwillingen Marcel und Fabio Schmidberger gemeinsam mit Erik Ziegler gegründet. Alle drei sind Informatiker, die den Pflegealltag effizienter gestalten wollten.

Wo wird „Voize“ eingesetzt?

Die Caritas-Altenpflege in Berlin-Waidmannslust nutzt die KI bereits seit mehreren Jahren. Dort ersetzt sie Papierakten und den klassischen Pflegewagen.

Wie entlastet die KI die Pflegekräfte?

„Voize“ reduziert die Dokumentationszeit erheblich. Pflegekräfte verlieren bis zu 1,5 Stunden pro Tag durch manuelle Eintragungen. Mit der App wird diese Arbeit digital und sprachgesteuert erledigt, was mehr Zeit für die Betreuung der Bewohner schafft.

Welche Vorteile bietet die Anwendung?

Die App erleichtert die Arbeit insbesondere Mitarbeitenden mit geringeren Deutschkenntnissen. Sie dokumentieren schneller und fehlerfreier. Zudem lernt die KI mit jeder Nutzung dazu und optimiert die Eingaben automatisch.

Wird „Voize“ in weiteren Einrichtungen eingeführt?

Ja. Die Caritas hat bereits entschieden, alle ihre Pflegeeinrichtungen mit der KI-Anwendung auszustatten, um den Arbeitsalltag dauerhaft zu vereinfachen.