Wenn der Druck wächst und Worte fehlen, kann ein Klick den Unterschied machen. Über die Online-Beratung „U25“ der Caritas finden junge Menschen in Berlin Halt, wenn sie in einer seelischen Krise stecken. Mehr als 300 Betroffene nutzten im vergangenen Jahr die Plattform, die von 62 freiwilligen Beratern begleitet wird.
Inhaltsverzeichnis:
- Hilfe von Tim und Flo in Berlin
- Schulung und Zusammenarbeit bei der Caritas
- Lara Rodday über Vertrauen und Hoffnung
- Unterstützung rund um die Uhr
Hilfe von Tim und Flo in Berlin
Es ist spät am Abend, als eine Nachricht bei „U25“ eingeht: „Es geht mir schlecht. Ich habe Angst. Der Druck wird stärker…“ Kurz darauf folgt eine Antwort: „Danke für deine Nachricht, dein Vertrauen und dass du den Mut gefunden hast…“ Die Plattform richtet sich an Menschen bis etwa 25 Jahre, die sich in einer suizidalen Krise befinden. Der Austausch erfolgt per Mail, anonym und vertraulich. Das Besondere an „U25“: Die Berater sind Gleichaltrige – sogenannte Peers. Sie begleiten Ratsuchende auf Augenhöhe.
Projektleiterin Lara Rodday (29) von der Caritas erklärt: „Die Peers sind auf Augenhöhe. Dadurch bekommen sie leichter einen Zugang.“ Der 23-jährige Flo ergänzt: „Die Schwelle, sich uns gegenüber zu öffnen, ist niedriger.“ Jede eingehende Nachricht wird zusätzlich von hauptamtlichen Caritas-Mitarbeitern geprüft, bevor sie freigegeben wird.
Weitere Informationen zur psychischen Gesundheit junger Menschen finden Sie in dem Beitrag über die zunehmende psychische Belastung in Deutschland.
Schulung und Zusammenarbeit bei der Caritas
Bevor die ehrenamtlichen Peers aktiv werden, absolvieren sie eine viermonatige Ausbildung. In dieser Zeit lernen sie, wertfrei zu kommunizieren und Krisensituationen richtig einzuschätzen. Ziel ist es, die akute Gefährdung zu erkennen und Betroffenen passende Wege aufzuzeigen.
- 62 Freiwillige in Berlin
- Rund 300 betreute Jugendliche im Jahr
- Nur 2 Fälle, in denen Rettungsdienste eingeschaltet werden mussten
Zur Selbsteinschätzung erhalten Jugendliche eine Skala, um ihre Gefährdung besser einordnen zu können. Die meisten schildern, dass ihre dunklen Gedanken stärker werden und sie einen konkreten Plan hätten. „Sie brauchen jemanden, mit dem sie reden können“, sagt Flo. Das Gespräch selbst wirkt oft entlastend und befreiend.
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Lara Rodday über Vertrauen und Hoffnung
„Die Ratsuchenden wissen, sie bekommen immer eine Antwort. Allein dafür lohnt es sich, zu warten und am Leben zu bleiben“, sagt Lara Rodday. Diese Gewissheit ist für viele der erste Schritt zurück ins Vertrauen.
Die Themen, die in den Gesprächen auftauchen, sind vielfältig: familiärer Stress, Mobbing, Leistungsdruck, sexuelle Gewalt, Kriege und der Klimawandel. Gemeinsam suchen die Peers und Jugendlichen nach Wegen, um Hilfe anzunehmen – sei es durch Vertrauenspersonen, Beratungsstellen oder Krisendienste.
Die Beratung ersetzt keine Therapie, sondern versteht sich als ergänzendes Angebot. Ziel bleibt, junge Menschen zu stabilisieren, bis sie professionelle Unterstützung erhalten. Weitere Hintergründe zu Gesundheitsthemen und gesellschaftlichen Entwicklungen gibt es hier.
Unterstützung rund um die Uhr
Seit 2013 gibt es „U25“ auch in Berlin. Das Angebot hat sich als feste Stütze im Bereich der Suizidprävention etabliert. Die Plattform zeigt, dass digitale Kommunikation Leben retten kann. Für viele Jugendliche bedeutet sie einen sicheren Ort in Momenten größter Verzweiflung.
Wer selbst oder im Umfeld Anzeichen einer Depression bemerkt, kann sich an die Telefon-Seelsorge unter 0800 111 0 111 wenden. Auch der Berliner Krisendienst bietet an neun Standorten täglich und kostenlos Unterstützung an – auf Wunsch anonym: www.berliner-krisendienst.de.
Quelle: BZ Die Stimme Berlins