Steigende Ausgaben setzen die Krankenkassen unter Druck
Steigende Ausgaben setzen die Krankenkassen unter Druck, Foto: Pixabay/Pixabay-Lizenz

Die finanzielle Lage der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) verschärft sich. Mehrere Krankenkassen planen für das kommende Jahr eine Beitragserhöhung. Damit rückt eine Gesamtbelastung von rund 19 Prozent in greifbare Nähe. Grund sind steigende Ausgaben und fehlende Rücklagen.

Inhaltsverzeichnis:

Verwaltungskosten der Krankenkassen

In Deutschland existieren derzeit 94 gesetzliche Krankenkassen. Ihr Verwaltungsapparat verursacht jährlich rund 13 Milliarden Euro Kosten. Etwa 7 Milliarden Euro entfallen allein auf Personal.

Das Bundesgesundheitsministerium will die Ausgaben künftig stärker deckeln. Geplant ist eine striktere Kontrolle ab dem kommenden Jahr. Die Idee einer Zusammenlegung kleinerer Kassen bleibt dabei im Raum.

Ein ähnliches Problem wurde bereits bei der Diskussion über die stabilen Krankenkassenbeiträge angesprochen, die in vielen Fällen kaum zu halten sind.

Kürzungen im Innovationsfonds

Der Innovationsfonds, der Projekte wie Digitalisierung und neue Versorgungsmodelle fördert, soll nur noch halb so viel Geld erhalten. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) möchte damit etwa 100 Millionen Euro sparen.

Diese Maßnahme soll die Beiträge stabilisieren, stößt aber auf Kritik aus dem Gesundheitswesen. Der Fonds war bisher ein wichtiger Treiber für neue Ideen in der Patientenversorgung.

Warken hat sich zudem für mehr Kompetenzen der Apotheken ausgesprochen – mehr dazu hier.

Vorschlag eines Primärarztsystems

Mehrere Experten schlagen die Einführung eines Primärarztsystems vor. Patienten sollen künftig zuerst ihren Hausarzt aufsuchen, bevor sie Fachärzte konsultieren. Dadurch sollen unnötige Arztkontakte reduziert werden.

Reform des Notfall- und Rettungsdienstes soll Abläufe verbessern
Reform des Notfall- und Rettungsdienstes soll Abläufe verbessern, Foto: Pixabay/Pixabay-Lizenz

Das Gesundheitsministerium prüft zudem eine Reform des Notfall- und Rettungsdienstes. Ziel ist es, Abläufe zu vereinfachen und Kosten zu senken.

Anpassung des Bundeszuschusses und neue Ideen

Die Finanzierung der GKV beruht auf Beiträgen der Versicherten und einem Bundeszuschuss. Ein Vorschlag im Bundestag sieht vor, diesen Zuschuss stärker an den tatsächlichen Bedarf anzupassen.

Zusätzlich werden weitere Maßnahmen diskutiert:

  1. Anhebung oder Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenze, um hohe Einkommen stärker zu beteiligen.
  2. Senkung der Mehrwertsteuer auf Arzneimittel von 19 auf 7 Prozent.
  3. Ende der versicherungsfremden Leistungen, wie die kostenlose Mitversicherung von Ehepartnern – ein Thema, das bereits im Beitrag über das Ende der kostenlosen Mitversicherung behandelt wurde.

Kontroverse Vorschläge zu Altersgrenzen und teuren Medikamenten

Für Aufsehen sorgten zuletzt Äußerungen des Virologen Hendrik Streeck (CDU). Er stellte die Frage, ob extrem teure Medikamente bei über 100-Jährigen noch eingesetzt werden sollten.

Laut Zahlen verursachen 1,5 Prozent der teuersten Präparate rund 47 Prozent der gesamten Arzneimittelausgaben.

Thomas Lemke, Vorstandschef des privaten Klinikkonzerns Sana, äußerte Zweifel an Hüftoperationen für über 80-Jährige. Deutschland verzeichnet im internationalen Vergleich eine hohe Zahl solcher Eingriffe.

Die kommenden Monate entscheiden, ob die geplanten Einsparungen greifen. Die GKV steht damit vor einer der größten Reformen der letzten Jahre.

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Quelle: BERLINER ZEITUNG, WEBRIVAIG