Mordverdacht in Berlin
Mordverdacht in Berlin, pixabay/Foto illustrativ

Ein Berliner Arzt steht unter schwerem Tatverdacht. In einem aufsehenerregenden Verfahren vor dem Landgericht Berlin geht es um mutmaßlich vorsätzliche Tötungen von Patienten. Schon zum Auftakt der Beweisaufnahme sorgen Aussagen einer Kollegin für Aufsehen.

Inhaltsverzeichnis:

Vier Leichen, vier Brände, sechs Wochen

Eine 43-jährige Ärztin war die erste Zeugin im Mordprozess gegen den 40-jährigen Palliativmediziner. Sie hatte sich im Sommer 2024 an die Polizei gewandt. Als medizinische Leiterin eines Pflegedienstes stellte sie ungewöhnlich viele Todesfälle im Team fest. Zwischen Mai und Juni 2024 seien vier Patienten gestorben und es gab vier Wohnungsbrände. Sie sagte aus, dass sie „nicht mehr an Zufälle geglaubt“ habe.

Der Arzt war seit Januar 2024 Teil eines neu gegründeten Palliativteams in Berlin-Neukölln. Die Zeugin beschrieb ihn als höflich, hilfsbereit und im Team geschätzt. Er habe jedoch abgelehnt, die ärztliche Leitung zu übernehmen. Auffällig sei laut ihr der häufige Medikamenteneinsatz gewesen, oft führte er Hausbesuche durch, die nicht in seinen Zuständigkeitsbereich fielen. Außerdem sei er mit einem großen Medikamentenrucksack unterwegs gewesen. Das sei im Pflegealltag ungewöhnlich.

Brände in Wohnungen verstorbenener Patienten

Am 11. Juni 2024 meldete der Angeklagte erstmals einen Brand in der Wohnung einer Patientin. Sie sei nicht mehr zu retten gewesen. Zwei weitere Brände folgten, zuletzt am 24. Juli 2024, drei Tage vor seiner Meldung an die ärztliche Leiterin, dass „bei der Patientin alles lichterloh brannte“. Diese rief daraufhin die Polizei.

Die Staatsanwaltschaft Berlin wirft dem Mann Mord in 15 Fällen vor. Die Opfer waren zwischen 25 und 87 Jahre alt. Die Taten sollen zwischen September 2021 und Juli 2024 stattgefunden haben. Der Arzt soll ohne medizinische Notwendigkeit ein tödliches Medikamentengemisch verabreicht haben – ohne Zustimmung oder Wissen der Patienten.

Verdachtsfälle in großer Zahl

Aktuell gibt es 71 weitere Fälle mit Anfangsverdacht, wie aus der Anklage hervorgeht. In 15 dieser Fälle wurden Leichen exhumiert und rechtsmedizinisch untersucht. Die Ermittlungen betreffen seine Tätigkeit bei zwei verschiedenen Berliner Pflegediensten.

Die Staatsanwaltschaft nennt Heimtücke und niedrige Beweggründe als Motiv. Der Arzt selbst äußert sich bisher nicht. Der Prozess wird am 13. August fortgeführt.

Schlüsselinformationen:

  • 15 bestätigte mutmaßliche Tötungsdelikte
  • Opfer: 12 Frauen, 3 Männer
  • Zeitraum: 09.2021 bis 07.2024
  • 71 weitere Verdachtsfälle
  • Mehrere Brandorte im Zusammenhang mit Todesfällen
  • Der Angeklagte schweigt zu allen Vorwürfen

Quelle: RBB24